Stand: Mai 2026
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1. Hintergrund und Zielsetzung
Die Erregernachweismeldung nach § 7 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) basiert auf den Ergebnissen virologischer und mikrobiologischer Diagnostik. Dabei werden in der Regel direkte Erregernachweise gemeldet, die beispielsweise durch Kultur, Mikroskopie, Nukleinsäure- oder Antigennachweis erfolgen. Ergänzend können auch indirekte Nachweise, etwa mittels serologischer Verfahren, Gegenstand der Meldung sein.
Für die strukturierte Übermittlung der Befunde – einschließlich Angaben zu Untersuchungsmaterial und angewandter Methode – nutzt DEMIS die internationalen Terminologiesysteme LOINC und SNOMED CT. Seit der Einführung der verpflichtenden Erregernachweismeldung für alle Tatbestände nach § 7 Abs. 1 IfSG im Januar 2022 hat sich jedoch gezeigt, dass insbesondere kulturelle Nachweise nur eingeschränkt über LOINC abgebildet werden können. Zudem bestehen in der praktischen Anwendung Interpretationsspielräume bei der Auswahl und Kombination von LOINC- und SNOMED-CT-Codes.
Das Robert Koch-Institut (RKI) ist die nationale Behörde zur Vorbeugung übertragbarer Krankheiten sowie zur frühzeitigen Erkennung und Verhinderung der Weiterverbreitung von Infektionen. Das IfSG definiert hierfür Meldepflichten in den §§ 6, 7, 34 und 36. Darüber hinaus werden gemäß § 13 IfSG Daten für weiterführende epidemiologische Analysen an zusätzliche Surveillance-Systeme des RKI übermittelt. Ein Beispiel hierfür ist die Antibiotika-Resistenz-Surveillance (ARS), in der mikrobiologische Befunde und Resistenzdaten systematisch erfasst werden.
Vor diesem Hintergrund entwickelt das RKI in Zusammenarbeit mit der gematik als Betreiber von DEMIS gemeinsam mit seinen Facharbeitsgruppen, mio42 (zuständig für den Mikrobiologiebefund in der elektronischen Patientenakte), der Medizininformatik-Initiative (MII), dem BfArM sowie HL7 Deutschland ein abgestimmtes Konzept. Ziel ist ein konsistentes Zusammenspiel von FHIR-Profilen und ein einheitlicher Umgang mit den für die mikrobiologische Diagnostik zentralen Terminologien LOINC und SNOMED CT.
Ziel der Weiterentwicklung ist:
- eine einheitliche, eindeutige und maschinenlesbare Codierung
- eine bessere automatische Verarbeitung in Gesundheitsämtern
- eine Interoperabilität mit anderen Systemen (z. B. ARS, ePA, MII)
Hierfür wird die Verwendung der Terminologien LOINC, SNOMED-CT und UCUM verbindlich und klar geregelt.
2. Grundprinzip der neuen Semantik
Die zentrale Idee ist die Trennung von Fragestellung und Antwort:
- LOINC-Code beschreibt die Fragestellung der Untersuchung
- SNOMED-CT-Codes beschreiben:
- Ergebnis (Erreger / Nachweis)
- Methode
- Probenmaterial
Das bedeutet:
- LOINC stellt die Frage („Was wurde untersucht?“)
- SNOMED-CT liefert die Antwort („Was wurde gefunden, wie und womit?“)
3. Zentrale Änderungen
3.1 Verpflichtende Angaben
Zwingend erforderlich:
- LOINC-Code aus definierten ValueSets
- SNOMED-CT-Code aus definierten ValueSets für:
- Probenmaterial
- Methode
- Ergebnis
- Versionsangaben der Codes
Meldungen ohne diese Angaben werden abgelehnt.
3.2 Vereinfachte LOINC-Nutzung
- Reduktion auf wenige, häufig genutzte Codes
- Verzicht auf stark spezifizierte LOINCs (Material/Methode integriert)
- Fokus auf:
- unspezifische LOINCs
- Ergänzung durch SNOMED-CT
Ein zentraler Standardcode ist:
- 41852-5 „Microorganism or agent identified in Specimen“
→ universell für Erregernachweise einsetzbar
- 41852-5 „Microorganism or agent identified in Specimen“
3.3 Verpflichtende SNOMED-CT-Codierung
- Material und Methode müssen separat codiert werden
- Verwendung festgelegter ValueSets (bindend für Material und Methode)
Methoden künftig als „qualifier values“ statt „procedure“
4. Abbildung der Diagnostik in FHIR
Die mikrobiologische Diagnostik wird über zwei zentrale Ressourcen dargestellt:
4.1 Specimen (Probe)
- dient der eindeutigen Beschreibung der Probe
- Verpflichtende Angaben:
- Probenmaterial (SNOMED-CT) aus den erregerspezifischen Material-Sets
- Zeitpunkt des Probeneingangs im Labor
- Optionale Angaben:
- Datum der Probenentnahme (ist fachlich relevanter als der Probeneingang im Labor und sollte deshalb angegeben werden, falls bekannt. Liegt im Labor jedoch nur vor, wenn der Einsender die Information übermittelt. Daher technisch als optionales Feld gesetzt.)
4.2 Observation (Erregernachweis)
Zentrale Struktur mit folgenden Elementen:
| Feld | Inhalt | bezugnehmende FAQ |
|---|---|---|
| Observation.code | LOINC (Fragestellung)
| |
| Observation.value | Ergebnis, Kodiert (SNOMED-CT oder LOINC), als quantitative Angabe (UCUM), etc. | |
| Observation.method | SNOMED-CT (Methode) | |
| Observation.interpretation | Interpretation (z. B. sensibel/resistent) |
5. Regeln für verschiedene Nachweisverfahren
5.1 Kulturelle Verfahren
- Verwendung eines unspezifischen LOINC-Codes
- Erreger, Material und Methode ausschließlich über SNOMED-CT
→ Siehe unter Beispiele für Labormeldungen Beispielmeldung für Acinetobacter spp., (Nr. 2)
- LOINC aus ValueSet LaboratoryTestACBP
- LOINC aus ValueSet LaboratoryTestACBP
5.2 PCR und serologische Verfahren
- LOINCs, die spezifisch für den Erreger sind, aber unspezifisch für Material und Methode
- Material und Methode weiterhin über SNOMED-CT
- quantitative Ergebnisse möglich (z. B. CT-Wert, Nutzung von UCUM)
→ Siehe unter Beispiele für Labormeldungen Beispielmeldung für Adenovirus, alle Materialien (Nr. 3)
- LOINC aus ValueSet LaboratoryTestADEP
- LOINC aus ValueSet LaboratoryTestADEP
5.3 Resistenztestung
- LOINC beschreibt den getesteten Wirkstoff
- Methode über SNOMED-CT
- qualitative und quantitative Ergebnisse möglich
→ Siehe unter Beispiele für Labormeldungen Beispielmeldung für MRSA (Nr. 56)
- LOINC aus ValueSet AnswerSetResistance-LOINC
- LOINC aus ValueSet AnswerSetResistance-LOINC
6. ValueSets und Terminologien
Projekte in simplifier
https://simplifier.net/rki.demis.laboratory
https://simplifier.net/rki.demis.common
Verwendete Standards:
- LOINC: Tests und Fragestellungen
- SNOMED-CT: Materialien, Methoden, Ergebnisse
- UCUM: Einheiten für quantitative Werte in Einklang mit dem UCUM-Regelwerk, siehe: UCUM-Angaben/Meldungen werden trotz UCUM Angaben abgelehnt
7. Anforderungen an Labore und Softwarehersteller
7.1 Für LIS-/LIMS-Hersteller
- Implementierung der strikteren Profile
- Falls nötig: Mapping der Stammdaten auf die DEMIS-ValueSets
- Durchführung von Testszenarien
- Direkte Rückmeldung aus der Schnittstelle (Testumgebung) stets auswerten
- in Echtzeit für jede abgesetzte (Test-)Meldung, detaillierte Beschreibung jedes einzelnen Fehlers in einer Meldung
siehe Checkliste für LIS-/LIMS-Hersteller
7.2 Für Labore
- Abstimmung mit LIS-/LIMS-Hersteller
- Softwarespezifische Handhabe der ValueSets, Mappings, Flexibilität bei Code-Auswahl etc. obliegen nicht DEMIS, sondern dem entsprechenden Softwarehersteller
- Überprüfung von Meldungen in der Test- und Produktivumgebung
- Direkte Rückmeldung aus der Schnittstelle (Testumgebung und Produktivumgebung) stets auswerten
- in Echtzeit für jede abgesetzte (Test-)Meldung, detaillierte Beschreibung jedes einzelnen Fehlers in einer Meldung
- Direkte Rückmeldung aus der Schnittstelle (Testumgebung und Produktivumgebung) stets auswerten
- Sicherstellung korrekter Codierung
- Qualitätsberichte und weitere Qualitative Auswertungen, die seitens DEMIS per E-Mail verschickt werden
- Abstimmung mit LIS-/LIMS-Hersteller
siehe Checkliste für Labore
8. Technische Umstellung (Neue API-Endpunkte)
- Testumgebung:
https://test.demis.rki.de/prod-test/notifications/pathogen/v6/fhir/$process-notification - Produktivumgebung (nach erfolgreicher Anpassung):
https://demis.rki.de/notifications/pathogen/v6/fhir/$process-notification
siehe Informationen zur DEMIS-Testumgebung
- No labels