DEMIS Wissensdatenbank

Stand: Juni 2026


Inhalt


1. Hintergrund und Zielsetzung

Die Erregernachweismeldung nach § 7 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) basiert auf den Ergebnissen virologischer und mikrobiologischer Diagnostik. Dabei werden in der Regel direkte Erregernachweise gemeldet, die beispielsweise durch Kultur, Mikroskopie, Nukleinsäure- oder Antigennachweis erfolgen. Ergänzend können auch indirekte Nachweise, etwa mittels serologischer Verfahren, Gegenstand der Meldung sein.

Für die strukturierte Übermittlung der Befunde – einschließlich Angaben zu Untersuchungsmaterial und angewandter Methode – nutzt DEMIS die internationalen Terminologiesysteme LOINC und SNOMED CT. Seit der Einführung der verpflichtenden Erregernachweismeldung für alle Tatbestände nach § 7 Abs. 1 IfSG im Januar 2022 hat sich jedoch gezeigt, dass insbesondere kulturelle Nachweise nur eingeschränkt über LOINC abgebildet werden können. Zudem bestehen in der praktischen Anwendung Interpretationsspielräume bei der Auswahl und Kombination von LOINC- und SNOMED-CT-Codes.

Das Robert Koch-Institut (RKI) ist die nationale Behörde zur Vorbeugung übertragbarer Krankheiten sowie zur frühzeitigen Erkennung und Verhinderung der Weiterverbreitung von Infektionen. Das IfSG definiert hierfür Meldepflichten in den §§ 6, 7, 34 und 36. Darüber hinaus werden gemäß § 13 IfSG Daten für weiterführende epidemiologische Analysen an zusätzliche Surveillance-Systeme des RKI übermittelt. Ein Beispiel hierfür ist die Antibiotika-Resistenz-Surveillance (ARS), in der mikrobiologische Befunde und Resistenzdaten systematisch erfasst werden.

Vor diesem Hintergrund entwickelt das RKI in Zusammenarbeit mit der gematik als Betreiber von DEMIS gemeinsam mit seinen Facharbeitsgruppen, mio42 (zuständig für den Mikrobiologiebefund in der elektronischen Patientenakte), der Medizininformatik-Initiative (MII), dem BfArM sowie HL7 Deutschland ein abgestimmtes Konzept. Ziel ist ein konsistentes Zusammenspiel von FHIR-Profilen und ein einheitlicher Umgang mit den für die mikrobiologische Diagnostik zentralen Terminologien LOINC und SNOMED CT.

Ziel der Weiterentwicklung ist:

  • eine einheitliche, eindeutige und maschinenlesbare Codierung
  • eine bessere automatische Verarbeitung in Gesundheitsämtern
  • eine Interoperabilität mit anderen Systemen (z. B. ARS, ePA, MII)

Hierfür wird die Verwendung der Terminologien LOINC, SNOMED-CT und UCUM verbindlich und klar geregelt.

2. Grundprinzip der Semantik

Die zentrale Idee ist die Trennung von Fragestellung und Antwort:

  • LOINC-Code beschreibt die Fragestellung der Untersuchung
  • SNOMED-CT-Codes beschreiben:
    • Ergebnis (Erreger / Nachweis)
    • Methode
    • Probenmaterial

Das bedeutet:

  • LOINC stellt die Frage („Was wurde untersucht?“)
  • SNOMED-CT liefert die Antwort („Was wurde gefunden, wie und womit?“)

3. Zentrale Änderungen

3.1 Verpflichtende Angaben

Zwingend erforderlich:

    • LOINC-Code aus definierten ValueSets
    • SNOMED-CT-Code aus definierten ValueSets für:
      • Probenmaterial
      • Methode
      • Ergebnis
    • Versionsangaben der Codes

Meldungen ohne diese Angaben werden abgelehnt.

3.2 Vereinfachte LOINC-Nutzung

    • Reduktion auf wenige, häufig genutzte Codes
    • Verzicht auf stark spezifizierte LOINCs (Material/Methode integriert)
    • Fokus auf:
      • unspezifische LOINCs
      • Ergänzung durch SNOMED-CT

Ein zentraler Standardcode ist:

    • 41852-5 „Microorganism or agent identified in Specimen“
      → universell für Erregernachweise einsetzbar

3.3 Verpflichtende SNOMED-CT-Codierung

    • Material und Methode müssen separat codiert werden
    • Verwendung festgelegter ValueSets (bindend für Material und Methode)
    • Methoden künftig als „qualifier values“ statt „procedure“

4. Abbildung der Diagnostik in FHIR

Die mikrobiologische Diagnostik wird über zwei zentrale Ressourcen dargestellt:

4.1 Specimen (Probe)

    • dient der eindeutigen Beschreibung der Probe
    • Verpflichtende Angaben:
      • Probenmaterial (SNOMED-CT) aus den erregerspezifischen Material-Sets
      • Zeitpunkt des Probeneingangs im Labor
    • Optionale Angaben:
      • Datum der Probenentnahme (ist fachlich relevanter als der Probeneingang im Labor und sollte deshalb angegeben werden, falls bekannt. Liegt im Labor jedoch nur vor, wenn der Einsender die Information übermittelt. Daher technisch als optionales Feld gesetzt.)

4.2 Observation (Erregernachweis)

Zentrale Struktur mit folgenden Elementen:

5. Regeln für verschiedene Nachweisverfahren

5.1 Kulturelle Verfahren

    • Verwendung eines unspezifischen LOINC-Codes
    • Erreger, Material und Methode ausschließlich über SNOMED-CT

→ Siehe unter Beispiele für Labormeldungen Beispielmeldung für Acinetobacter spp., (Nr. 2) 

5.2 PCR und serologische Verfahren

    • LOINCs, die spezifisch für den Erreger sind, aber unspezifisch für Material und Methode
    • Material und Methode weiterhin über SNOMED-CT
    • quantitative Ergebnisse möglich (z. B. CT-Wert, Nutzung von UCUM)

→ Siehe unter Beispiele für Labormeldungen Beispielmeldung für Adenovirus, alle Materialien (Nr. 3)

5.3 Resistenztestung

    • LOINC beschreibt den getesteten Wirkstoff
    • Methode über SNOMED-CT
    • qualitative und quantitative Ergebnisse möglich

→ Siehe unter Beispiele für Labormeldungen Beispielmeldung für MRSA (Nr. 56)

6. ValueSets und Terminologien

Projekte in simplifier

https://simplifier.net/rki.demis.laboratory

https://simplifier.net/rki.demis.common

Verwendete Standards:

7. Informationen zur Umstellung auf die neuen FHIR-Laborprofile zum 16.06.2026



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